Energieblogger werden zur treibenden Kraft der deutschen Energiewende

Tim Richter
Tim Richter
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Eine Liniengrafik, die die Stromerzeugung aus Wind und Solar in Deutschland zeigt, mit begleitendem beschreibendem Text.Tim Richter

Energieblogger werden zur treibenden Kraft der deutschen Energiewende

Energieblogger: Vom Nischenprojekt zur einflussreichen Stimme der Energiewende

Die deutsche Gruppe Energieblogger hat sich seit ihrer Gründung rasant entwickelt: Innerhalb nur eines Jahres wuchs sie von 19 Gründungsmitgliedern auf rund 50 Blogger:innen an. Am vergangenen Wochenende trafen sie sich im hessischen Kassel zum Barcamp in den Räumlichkeiten des Wechselrichterherstellers SMA. Auf dem Programm standen aktuelle Trends der Erneuerbaren Energien, strategische Planungen und der persönliche Austausch mit Kolleg:innen, die man sonst meist nur aus der digitalen Welt kennt. Mit dabei waren auch Vertreter großer Energiekonzerne wie RWE und EnBW – ein Zeichen dafür, wie sich die traditionelle Energiewirtschaft zunehmend mit basisdemokratischen Akteur:innen vernetzt.

Die Gruppe hat bereits spürbaren Einfluss auf die Energiepolitik genommen. Seit 2013 setzen sich die Energieblogger:innen mit Lobbyarbeit, Positionspapieren und öffentlichen Kampagnen für eine stärkere Förderung dezentraler Erneuerbarer ein. Ihre Initiativen halfen, die ursprünglichen Regierungspläne abzumildern – etwa drastische Kürzungen bei Einspeisevergütungen oder eine stärkere Zentralisierung der Energieerzeugung. Das Ergebnis waren reformfreundlichere Regelungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2023, darunter höhere Vergütungen für Balkon-Solaranlagen, Bürgerenergiegenossenschaften und Flexibilitätsprämien.

Aufsehen erregten die Energieblogger:innen bereits im vergangenen Jahr auf der Intersolar in München, wo sie mit einem Stand direkt neben dem Kohlekonzern RWE vertreten waren. Die räumliche Nähe löste Debatten aus, ob konventionelle Energieunternehmen in ihren Reihen willkommen sein sollten. Als Reaktion hat die Gruppe nun klare Mitgliedschaftskriterien definiert, um Organisationen mit Greenwashing-Vorwürfen auszuschließen.

Beim Kassel-Barcamp kam es zudem zu Gesprächen mit Hubertus Grass von EnBW, einem staatlichen Energieversorger im Wandel. Trotz unterschiedlicher Hintergründe bleiben die Energieblogger:innen dialogbereit – gegenüber allen Akteur:innen der Branche. Ihre wachsende Bedeutung zeigte sich auch in einem von ihnen organisierten Wettbewerb um "Deutschlands bestes EEG-Projekt" sowie in einer kritischen Prüfung der geplanten Novellierungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes.

Um ihre Reichweite zu vergrößern, haben die Energieblogger:innen nun ein englischsprachiges Forum für internationale Blogger:innen gestartet. Interessierte können sich unter [email protected] mit einer kurzen Beschreibung ihrer Arbeit und einem Link zu ihrem Blog bewerben. Während der deutsche Kanal aktiv bespielt wird, finden sich im englischen Bereich bisher vor allem Beiträge aus dem SMA-Blog.

Das rasante Wachstum und der politische Einfluss der Energieblogger:innen spiegeln ihre zunehmend centrale Rolle in der deutschen Energiewende wider. Mit strukturierten Barcamp-Diskussionen, klaren Mitgliedschaftsregeln und dem offenen Dialog mit traditionellen Energieunternehmen verfolgen sie einen durchdachten, aber inklusiven Ansatz. Mit dem neuen englischen Forum könnte ihr Netzwerk bald weit über den deutschsprachigen Raum hinauswirken.

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