Dresdens verbotene Kunst: Wie Künstler die DDR-Diktatur herausforderten

Nico Schulz
Nico Schulz
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Ein Vintage-Plakat für die Große Ausstellung der Schönen Künste auf der Grand Exposition des Beaux-Arts in Dresden, Deutschland, 1904, mit fettem Text, der das Ereignis ankündigt.Nico Schulz

Dresdens verbotene Kunst: Wie Künstler die DDR-Diktatur herausforderten

Dresden, die einstige Hochburg des Sozialistischen Realismus in der DDR, war Schauplatz einer anderen Kunstszene. Die renommierte Hochschule für Bildende Künste prägte bis in die späten 1970er-Jahre hinein die offizielle Kunst der DDR. Doch unter der Oberfläche entwickelte sich eine andere Szene. Eine Gruppe von Künstlern, die an derselben Institution ausgebildet worden waren, begann, staatliche Vorgaben mit inoffiziellen Ausstellungen und unabhängigen Publikationen herauszufordern – und riskierte dabei Überwachung, Ausstellungsverbote und sogar die Ausbürgerung. Viele dieser Künstler hatten zunächst an der Hochschule für Bildende Künste studiert, wo der Sozialistische Realismus vorherrschte. Statt sich dem vorgegebenen Stil zu unterwerfen, griffen sie auf die expressionistischen Traditionen der Brücke-Bewegung zurück, die in der DDR längst verpönt war. Ihr Widerstand beschränkte sich nicht auf die künstlerische Technik, sondern erstreckte sich auch darauf, wie und wo Kunst gezeigt wurde. Bis 1980 schufen Persönlichkeiten wie Eberhard Göschel und Hans Scheib eigene Räume für ihre Kunst. Göschel gründete in Dresden die Obergrabenpresse, während Scheib private Galerien in Berlin-Prenzlauer Berg und in der Sredzkistraße 64 eröffnete. Ihre Arbeiten umgingen oft die staatlich kontrollierten Kanäle und zogen sowohl Publikum als auch die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich. Ein weiterer Brennpunkt wurde das Leonhardi-Museum in Dresden-Loschwitz. 1982 organisierten Göschel und Helge Leiberg dort thematische Gruppenausstellungen – woraufhin die Behörden das Museum vorübergehend schließen ließen. Solche Aktionen hatten schwere Folgen: Ausstellungsverbote, entzogene Aufträge und Observation durch die Stasi. Für manche, wie Reinhard Stangl, Volker Henze und Cornelia Schleime, wurde der Druck unerträglich – sie emigrierten noch vor 1989 in die Bundesrepublik. Göschel jedoch blieb; als gebürtiger Bayer waren seine Bindungen an die Region ein Hindernis für eine erzwungene Umsiedlung. Die Risiken waren hoch, doch Dresdens Kunstszene entwickelte sich weiter. Alle fünf Jahre zeigte das Albertinum die zentralen Kunstausstellungen der DDR mit genehmigten Werken. Doch im Verborgenen hielt sich die alternative Bewegung – sie schuf Nischen, in denen inoffizielle Kunst zumindest für kurze Zeit gedeihen konnte. Die Künstler, die aus der Dresdner Hochschule für Bildende Künste hervorgingen, hinterließen bleibende Spuren in der Kulturlandschaft der DDR. Ihre unabhängigen Ausstellungen und Publikationen kollidierten mit der staatlichen Kontrolle, führten zu Überwachung, beruflicher Ausgrenzung und für viele zur Ausreise. Zwar finden sich einige Namen nicht in den offiziellen Geschichtsbüchern, doch ihr Wirken veränderte, wie Kunst in der DDR vor dem Mauerfall entstanden ist und wahrgenommen wurde.

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