Deutschlands Ärzteschaft wird immer internationaler – doch die Rente naht

Amelie Brandt
Amelie Brandt
3 Min.
Ein Schwarz-Weiß-Porträt von Cornelis Solingen, einem Medicinen-Arzt, der auf einem Stuhl sitzt, mit einem Vorhang und einem Fenster im Hintergrund, mit Text am unteren Rand des Bildes.Amelie Brandt

Etwa einer von acht Ärzten in Deutschland hat keine deutsche Staatsbürgerschaft - Deutschlands Ärzteschaft wird immer internationaler – doch die Rente naht

Deutschlands medizinische Fachkräfte verändern sich rasant – ausländische Ärztinnen und Ärzte spielen eine immer wichtigere Rolle

Im Jahr 2024 hat fast ein Viertel aller in Deutschland tätigen Medizinerinnen und Mediziner ihren Abschluss im Ausland erworben. Gleichzeitig steigt die Zahl der deutschen Studierenden, die ein Medizinstudium aufnehmen, kontinuierlich an. Diese Entwicklungen fallen in eine Phase, in der ein großer Teil der aktuellen Belegschaft das Renteneintrittsalter erreicht – eine Situation, die Fragen zur Zukunft der Personalplanung im Gesundheitswesen aufwirft.

Allein im vergangenen Jahr erhielten rund 7.600 ausländische Abschlüsse in Human- und Zahnmedizin in Deutschland die volle Anerkennung. Dieser Trend ist Teil eines größeren Musters: Zwischen 2021 und 2024 erwarben schätzungsweise 15.000 bis 20.000 ausländische Ärztinnen und Ärzte die deutsche Staatsbürgerschaft. Aktuelle Zahlen für Anfang 2025 deuten darauf hin, dass weitere 4.000 folgen werden. Zwar liegen noch keine vollständigen aggregierten Daten vor, doch die Einbürgerungsstatistiken des Statistischen Bundesamtes (Destatis) bestätigen die wachsende Abhängigkeit von international ausgebildeten Fachkräften.

Der Anteil ausländischer Ärztinnen und Ärzte hat sich innerhalb eines Jahrzehnts mehr als verdoppelt. 2014 waren erst 7 Prozent der Mediziner – etwa 30.000 Personen – keine deutschen Staatsbürger. Bis 2024 stieg diese Zahl auf 64.000 an, was 13 Prozent der Belegschaft entspricht. Insgesamt haben 121.000 der derzeit in Deutschland tätigen Ärztinnen und Ärzte sowie Zahnmediziner ihren Abschluss im Ausland gemacht – das sind 24 Prozent aller Berufsangehörigen. Die Medizin ist damit die zweit häufigste anerkannte ausländische Berufsqualifikation, übertroffen nur von der Pflege.

Gleichzeitig expandiert die heimische medizinische Ausbildung. Die Zahl der Erstsemester in Deutschland ist in den letzten zehn Jahren um 30 Prozent gestiegen und erreichte im Wintersemester 2024/2025 mit 15.900 Studierenden einen neuen Höchststand. Die Immatrikulationen in Zahnmedizin blieben hingegen stabil bei knapp unter 2.000 Erstsemestern. Viele Deutsche studieren zudem im Ausland: 2023 begannen 2.600 ein Humanmedizinstudium in Österreich und 1.900 in Ungarn, während die Zahlen für zahnmedizinische Studiengänge ähnlich ausfielen.

Auch die Arbeitsmuster verändern sich. Die Teilzeitbeschäftigung unter Ärztinnen und Ärzten hat sich seit 2014 fast verdoppelt und liegt 2024 bei 28 Prozent – ein Anstieg von damals 15 Prozent. Dieser Wandel fällt mit einer alternden Belegschaft zusammen: 31 Prozent der Mediziner sind heute 55 Jahre oder älter, was auf eine bevorstehende Welle von Pensionierungen hindeutet.

Das deutsche Gesundheitssystem steht vor der Herausforderung, die zunehmende Abhängigkeit von ausländischen Fachkräften mit dem Anstieg heimischer Absolventenzahlen in Einklang zu bringen. Während ältere Ärztinnen und Ärzte in den Ruhestand gehen, muss das Land sicherstellen, dass der Personalbedarf gedeckt bleibt – und gleichzeitig auf veränderte Arbeitspräferenzen reagieren. In den kommenden Jahren wird Deutschland voraussichtlich weiter auf internationale Rekrutierung setzen müssen, um Lücken in der medizinischen Versorgung zu schließen.

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