WM-Fieber in Deutschland: Warum nationale Begeisterung hier so kurzlebig ist
Amelie BrandtWM-Fieber in Deutschland: Warum nationale Begeisterung hier so kurzlebig ist
Alle vier Jahre entfacht die Weltmeisterschaft in Deutschland eine seltene Welle nationaler Begeisterung. Viele Bürger – darunter auch mein jüngster Sohn – zeigen Flaggen und Farben offen, um ihre Mannschaft zu unterstützen. Doch eine solche offene Vaterlandsliebe bleibt in einem Land ungewöhnlich, das öffentliche Bekundungen nationaler Identität oft mit Zurückhaltung begegnet.
Mein Sohn hat kürzlich unser Auto mit Deutschlandflaggen für das Turnier geschmückt. Diese Art von Begeisterung ist bei großen Fußballereignissen weit verbreitet, verfliegt aber meist schnell wieder. Im Allgemeinen tun sich die Deutschen schwer mit offen gezeigter nationaler Begeisterung – selbst an Feiertagen.
Die linksliberale Elite in Deutschland empfindet solche Äußerungen oft als unangenehm. Die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel mied in ihren Reden Begriffe wie „Vaterland“ oder „deutsches Volk“. 2013 konfiszierte sie sogar eine Deutschlandfahne, die ihr Parteikollege Hermann Gröhe am Wahlabend geschwenkt hatte.
Ein kürzlich ausgestrahlter Arte-Dokumentarfilm untersuchte diese Spannungen näher. Darin hieß es, die patriotische Stimmung während der WM 2006 könnte indirekt Bewegungen wie Pegida oder die AfD begünstigt haben. Mein eigenes Interesse an Fußball hält sich in Grenzen, auch wenn ich bei großen Turnieren die Spiele der Nationalmannschaft verfolge.
Die Weltmeisterschaft vereint das Land für kurze Zeit im Jubel. Doch die grundsätzliche Skepsis gegenüber Patriotismus bleibt ein prägendes Merkmal des öffentlichen Lebens in Deutschland. Historische und politische Faktoren wirken bis heute auf diese Haltung ein.






