20 March 2026, 00:09

"Unter Druck": Wie politische Plakate ein Jahrhundert deutscher Geschichte erzählen

Ein Schwarz-Weiß-Plakat mit vier menschlichen Gesichtern, um die sich Schlangen winden, begleitet von Text.

"Unter Druck": Wie politische Plakate ein Jahrhundert deutscher Geschichte erzählen

Im Hessischen Landtag ist eine neue Ausstellung eröffnet worden, die die Kraft politischer Plakate erkundet. Unter dem Titel "Unter Druck: Politische Plakate 1918–1991" zeichnet sie fast ein Jahrhundert deutscher Geschichte anhand von Wahlkampagnen nach. Die Schau ist Teil des Programms "World Design Capital Frankfurt Rhein-Main 2026" und steht unter dem Motto "Design für Demokratie".

Eröffnet wurde die Ausstellung offiziell von der Präsidentin des Hessischen Landtags, Astrid Wallmann. Gezeigt werden Plakate aller großen Parteien – von SPD, KPD und NSDAP über CDU/CSU, FDP, die Grünen bis hin zur PDS –, die jeweils die visuelle Sprache ihrer Zeit widerspiegeln. Die frühesten Werke aus der Weimarer Republik (1918–1933) bestachen durch kühne Typografie und experimentelle Fotomontagen. Die Entwürfe der NS-Zeit (1933–1945) setzen auf heroische Bildsprache und starre Uniformität, während die Plakate der Bundesrepublik (1949–1989) konsumorientierte Grafiken und beißenden Spott aufgreifen. Die Beispiele aus der DDR (1949–1990) bedienen sich dagegen des sozialistischen Realismus und zeigen oft Arbeiter oder kollektiven Fortschritt.

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Eine begleitende Präsentation im Landesmuseum Wiesbaden vertieft den ersten Abschnitt der Ausstellung mit 80 Plakaten aus den Jahren 1918 bis 1933. Ergänzt wird das Angebot durch einen 144-seitigen Katalog, der in Zusammenarbeit mit dem Wiesbadener Museum entstanden ist. Geführte Rundgänge finden vom 20. März bis zum 11. April statt und bieten vertiefende Einblicke in die Gestaltungsweisen.

Den Höhepunkt bildet die Ausstellung am 11. April während der "Kurzen Nacht der Museen und Galerien", wenn die Plakate ohne Anmeldung für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Der Berliner Teil der Schau, der später im Deutschen Historischen Museum gezeigt wird, erweitert die Zeitleiste bis 1991.

Die gezeigten Plakate veranschaulichen, wie sich Design an ideologische Auseinandersetzungen und technische Fortschritte anpasste – von handgedruckter Weimarer Agitationskunst bis zur Massenproduktion des Kalten Krieges. Jedes Exponat dokumentiert den Wandel politischer Strategien. Die Ausstellung bleibt bis April geöffnet, mit Sonderveranstaltungen im Rahmenprogramm.

Quelle