Syriens Übergangspräsident in Berlin: Hoffnung auf Demokratie oder neue Autorität?
Nico SchulzSyriens Übergangspräsident in Berlin: Hoffnung auf Demokratie oder neue Autorität?
Ahmed al-Scharaa, der kommissarische Präsident Syriens, ist in Berlin zu hochrangigen Gesprächen eingetroffen. Der Besuch erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem Aktivisten und Menschenrechtsorganisationen eine stärkere deutsche Beteiligung bei der Gestaltung der politischen Zukunft Syriens nach dem erwarteten Zusammenbruch des Assad-Regimes im Dezember 2024 fordern.
Sophie Bischoff, Co-Vorsitzende der deutsch-syrischen Organisation Adopt a Revolution, bezeichnete die Einladung als positiven Schritt – allerdings mit strengen Auflagen verbunden. Al-Scharaas Reise markiert einen entscheidenden Moment, da sich Syrien auf einen Übergang in die Zeit nach Assad vorbereitet. Bischoff sprach vom Sturz des Regimes als historischer Chance für die Demokratie, warnte jedoch vor wachsenden autoritären Tendenzen innerhalb der Übergangsregierung. Sie kritisierte Versuche, abweichende Meinungen zum Schweigen zu bringen, und betonte die Notwendigkeit demokratischer Schutzmechanismen.
Adopt a Revolution, das seit 2011 die syrische Zivilgesellschaft unterstützt, forderte von Berlin ein breiteres Engagement. Die Organisation drängte die Bundesregierung, bei den Wiederaufbauplänen lokale Gemeinschaften stärker einzubinden, anstatt sich ausschließlich auf die Übergangsführung zu konzentrieren. Zudem verlangte sie bessere rechtliche Absicherungen für Syrer in Deutschland, die eine Rückkehr oder Reisen nach Syrien in Betracht ziehen.
Farhad Ahma vom syrischen Kulturzentrum PEL-Civil Waves teilte die Bedenken über Berlins engen Ansatz. Er argumentierte, dass Gespräche, die sich auf die Übergangsregierung beschränken, grassroots-Stimmen an den Rand drängen könnten. Unterdessen kritisierte Bischoff scharf Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) dafür, deutsche Hilfe an die Wiederbelebung von Abschiebeabkommen zu knüpfen, und nannte diese Haltung kontraproduktiv.
Die Gespräche in Berlin folgen auf Jahre des Konflikts und der Instabilität. Doch trotz des Fokus auf Syriens Zukunft wurden bisher keine konkreten Pläne für internationale Wiederaufbauhilfen bekannt gegeben – abgesehen von früheren Erdbebenhilfsmaßnahmen in der Region.
Al-Scharaas Besuch hat eine Debatte über die Rolle Deutschlands im syrischen Übergang ausgelöst. Aktivisten bestehen auf demokratische Reformen und eine breitere Beteiligung am Wiederaufbau des Landes. Das Ergebnis der Gespräche könnte bestimmen, wie Berlin Syriens Weg nach vorn unterstützt – oder einschränkt.






