Sicherheitsgefühl in Deutschland: Warum Ängste und Kriminalität oft auseinanderklaffen
Tim RichterSicherheitsgefühl in Deutschland: Warum Ängste und Kriminalität oft auseinanderklaffen
Die meisten Menschen im Land geben an, sich in ihren Wohnungen und Nachbarschaften sicher zu fühlen – über 90 Prozent äußern ein solches Sicherheitsgefühl. Doch dieses Vertrauen variiert je nach Alter, Geschlecht, Wohnort und Tageszeit. Neue Erkenntnisse zeigen eine Kluft zwischen den Orten, an denen sich Menschen unsicher fühlen, und den tatsächlichen Kriminalitätsschwerpunkten.
Eine bundesweite Opferbefragung aus dem Jahr 2020 machte deutlich, dass Frauen deutlich größere Angst vor sexueller Belästigung haben als Männer. Diese Sorge ist besonders groß, wenn sich Personen nach Einbruch der Dunkelheit allein in öffentlichen Räumen aufhalten – eine Zeit, in der die Verwundbarkeit durch Straftaten am stärksten empfunden wird. Fast drei von zehn Gewaltverbrechen im Jahr 2024 ereigneten sich in solchen Freiflächen.
Als sogenannte "Angsträume" bezeichnete Gebiete – oft geprägt von Verfall oder sozialer Unordnung – decken sich nicht immer mit den tatsächlichen Kriminalitätsbrennpunkten. Bahnhöfe bilden hier eine Ausnahme: Hier stimmen wahrgenommene Gefahr und tatsächliche Kriminalitätsrate weitgehend überein. Auch in städtischen Gebieten werden höhere Kriminalitätszahlen verzeichnet, was unter anderem auf mehr Gelegenheiten für Straftaten und eine schwächere nachbarschaftliche Kontrolle im Vergleich zu ländlichen Regionen zurückzuführen ist.
In der Kriminalstatistik tauchen junge Männer am häufigsten als Täter auf. Dennoch bleibt die Diskrepanz bestehen zwischen den Orten, an denen sich Menschen bedroht fühlen, und den Schauplätzen, an denen Straftaten statistisch gehäuft auftreten.
Die Daten unterstreichen das komplexe Verhältnis zwischen Angst und Realität. Zwar fühlt sich die Mehrheit zu Hause sicher, doch öffentliche Räume bei Nacht – insbesondere für Frauen – bleiben ein zentrales Problem. Bahnhöfe und städtische Zentren sind nach wie vor Brennpunkte, an denen sich sowohl Ängste als auch Kriminalität überschneiden.






