Linke nominiert umstrittenen Bürgermeisterkandidaten mit Iran-Verbindung
Nico SchulzLinke nominiert umstrittenen Bürgermeisterkandidaten mit Iran-Verbindung
Die Linke in Osterholz-Scharmbeck hat Yunus Cakar als ihren Kandidaten für das Bürgermeisteramt bei den Kommunalwahlen im September nominiert. Seine Auswahl hat interne Konflikte ausgelöst, da Kritiker auf seine langjährige Unterstützung für das islamistische Regime Irans und umstrittene Äußerungen über Israel verweisen.
Bedenken mehren sich wegen Cakars Engagement bei pro-iranischen Veranstaltungen und seiner Rolle bei Demonstrationen gegen Israel. Dies wirft Fragen nach seiner Eignung für ein öffentliches Amt auf.
Cakar ist seit Jahren ein offener Befürworter der iranischen Regierung. Er nahm an Veranstaltungen teil, die Qasem Soleimani ehrten, den verstorbenen Kommandeur der Islamischen Revolutionsgarde. Als Vorsitzender des Islamischen Zentrums Osterholz organisierte er zudem Treffen, bei denen Porträts iranischer Führungspersönlichkeiten wie der Ayatollahs Chomeini und Chamenei gezeigt wurden.
Im April 2023 sprach er auf einer Kundgebung in Frankfurt am Main zum Al-Quds-Tag, einer jährlichen Veranstaltung, die das iranische Regime 1979 ins Leben rief, um sich gegen Israel zu positionieren. Rund 750 Teilnehmer trugen palästinensische Fahnen und Keffiyehs, während andere iranische Staatsflaggen und Transparente mit Abbildungen der Ayatollahs zeigten. Cakar übernahm eine aktive Rolle, verlas Forderungen, moderierte Reden und feuerte die Menge an.
Seine öffentlichen Äußerungen stehen zunehmend in der Kritik. Auf der Kundgebung verglich er die Lage in Gaza mit einem Völkermord und behauptete später, es handele sich um ein Zitat von Amnesty International. Diese und frühere antiisraelische Aussagen haben die innerparteiliche Kritik an Cakar verschärft.
Der Landesverband Niedersachsen der Linken versucht, sich von pauschalen Antisemitismusvorwürfen zu distanzieren. Der Landesvorsitzende Jan van Aken argumentierte, ein Beschluss aus dem Jahr 2024, der "tatsächlich existierenden Zionismus" kritisiere, richte sich allein gegen die Regierung Netanjahu, nicht gegen den Zionismus insgesamt. Dennoch bleibt die Partei gespalten. Der prominente Politiker Bodo Ramelow verurteilte, dass Parolen wie "Yalla, Yalla, Intifada" nicht zurückgewiesen wurden und es an klarer Unterstützung für Israels Existenzrecht fehle. Im März 2026 verließ Andreas Büttner aus Protest die Partei, nachdem einige Delegierte eine Konferenz demonstrativ verließen. Ein Bundesantrag zur Klärung der Kontroverse soll nun im Juni eingebracht werden.
Cakars Kandidatur hat die tiefen Gräben innerhalb der Linken in der Israel- und Iran-Politik offenbart. Seine Aktivismusgeschichte und öffentlichen Aussagen befeuern die Debatte im Vorfeld der Septemberwahlen. Die innerparteilichen Meinungsverschiedenheiten sind noch nicht beigelegt – einige Mitglieder fordern klarere Positionen zu Antisemitismus und Außenpolitik.






