27 April 2026, 00:15

Kölner Stadtarchiv: Warum die Katastrophe von 2009 bis heute nachwirkt

Schwarzes und weißes Foto einer Stadt nach einer Katastrophe am 5. Juni 1892, das beschädigte Gebäude, Strommasten, Rauch und einen Hügel im Hintergrund zeigt, mit Text unten.

Kölner Stadtarchiv: Warum die Katastrophe von 2009 bis heute nachwirkt

Ein verheerender Einsturz im Jahr 2009 zerstörte das Kölner Stadtarchiv und begrub 1,7 Millionen historische Dokumente unter sich. Bei der Katastrophe kamen zwei Menschen ums Leben, und benachbarte Kirchen erlitten bleibende Schäden. Mehr als ein Jahrzehnt später ist die Baustelle noch immer nicht fertiggestellt – rechtliche Streitigkeiten und Verzögerungen bei den Bauarbeiten sind bis heute ungelöst.

Der Einsturz ereignete sich während des Baus der Kölner Nord-Süd-U-Bahn-Linie. Ein Grundwasserkrater öffnete sich unter dem Archivgebäude und riss das gesamte Bauwerk in die Tiefe. Zwei junge Männer in angrenzenden Häusern starben, als der Boden unter ihnen nachgab.

Rettungskräfte verbrachten Monate damit, Papierschnipsel zu sieben und die Fragmente an 20 Notarchive zu verteilen. Spätere Ermittlungen deckten auf, dass kritische Stahlträger vor der Katastrophe gestohlen und an einen Schrotthändler verkauft worden waren. Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), die das Projekt trotz fehlender Erfahrung leiteten, gerieten wegen ihrer Verantwortung in die Kritik.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Die juristischen Verfahren zogen sich jahrelang hin; erst 2024 wurden gemischte Urteile und Strafen endgültig festgesetzt. Währenddessen blieb die Baustelle teilweise verfüllt – eine offene Wunde inmitten der Stadt. Bald soll der provisorische Beton entfernt werden, damit die Arbeiten an der U-Bahn-Linie fortgesetzt werden können. Fertiggestellt wird die Strecke die Fahrzeit um acht Minuten verkürzen.

Seit 2011 setzt sich die Aktivistengruppe ArchivKomplex für eine Mitsprache bei den Wiederaufbauplänen ein. Sie fordert zudem eine würdige Erinnerung an die verlorenen Archive und die Opfer. Nahegelegene Kirchen weisen noch immer Risse auf, und ein Turm neigt sich sichtlich – sichtbare Mahnmale der Katastrophe.

Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs hinterließ Narben in Stadtbild und Geschichte. Mit den abgeschlossenen Rechtsstreitigkeiten und der bevorstehenden Wiederaufnahme der Bauarbeiten könnte die Stelle nun endlich ihren Abschluss finden. Doch die Schäden an den Gebäuden und der unwiederbringliche Verlust unersetzlicher Dokumente bleiben für immer.

Quelle