08 April 2026, 06:09

Herrenschneiderei und Straßenfußball werden deutsches Kulturerbe – doch warum fehlt der Döner?

Altes Buch mit Schwarz-Weiß-Fotos von formell gekleideten Individuen und begleitendem Text.

Herrenschneiderei und Straßenfußball werden deutsches Kulturerbe – doch warum fehlt der Döner?

Deutschland hat drei neue Traditionen in seine Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Zu den jüngsten Ergänzungen zählen die Herrenschneiderei, die Schaustellerkultur auf Volksfesten sowie das Straßenfußballspielen. Doch einige prägende Elemente des deutschen Alltags – wie der Döner oder linke Buchhandlungen – bleiben weiterhin unerkannt.

Die Entscheidungen wurden von Staatsminister für Kultur Wolfram Weimer und der Deutschen UNESCO-Kommission bekannt gegeben. Ihre Auswahl hat eine Debatte darüber ausgelöst, was die deutsche kulturelle Identität tatsächlich ausmacht.

Die handwerkliche Kunst der Herrenschneiderei genießt nun offiziellen Status als immaterielles Kulturerbe. Diese Anerkennung unterstreicht das Können und die Tradition hinter der deutschen Anzugfertigung. Kritiker fragen jedoch, ob sich diese Handwerkskunst ausreichend von den Schneiderpraktiken anderer europäischer Länder abhebt.

Auch die Schaustellerkultur auf Volksfesten wurde gewürdigt. Dazu gehören die reisenden Unterhalter und Künstler, die mit ihren lebendigen Attraktionen lokale Feste bereichern. Ihre Rolle bei der Bewahrung festlicher Bräuche wurde nun offiziell anerkannt.

Die Neuzugänge reihen sich ein in bereits anerkannte Traditionen wie die Ostseefischerei, den Bolzplatz-Fußball und die Sankt-Martins-Umzüge im Rheinland. Gleichzeitig sorgt das Fehlen des Döners – eines Klassikers der deutschen Straßenküche – sowie unabhängiger, linksgerichteter Buchhandlungen für Aufsehen. Manche argumentieren, dass diese Elemente für die moderne deutsche Kultur ebenso bedeutend seien.

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Weimers Ansatz zur kulturellen Anerkennung bleibt streng. Seine jüngsten Entscheidungen, etwa die Ablehnung von Fördergeldern für ein Übersetzungsprojekt palästinensischer Autor:innen oder die Infragestellung der SPD-Bratwurst auf deren Sommerfest, spiegeln eine selektive Haltung wider, was staatliche Unterstützung verdient.

Die aktualisierte Liste umfasst nun 130 Traditionen – von der Schneiderei bis zur Volksfestunterhaltung. Die Auswahl unterstreicht Deutschlands Bemühungen, seine vielfältigen kulturellen Praktiken zu bewahren. Doch die Auslassungen lösen weiterhin Diskussionen darüber aus, welche Aspekte des Alltags offizielle Anerkennung verdienen.

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