Caren Jess' Bookpink feiert rabiate Premiere am Deutschen Theater Berlin
Nico SchulzCaren Jess' Bookpink feiert rabiate Premiere am Deutschen Theater Berlin
Caren Jess' neues Stück Bookpink – Neuankömmlinge feiert Premiere am Deutschen Theater Berlin unter der Regie von Jorinde Dröse
Nach dem Erfolg von Die Katze Eleonore – Jess' preisgekröntem Werk von 2023, das sowohl den Dramatikerpreis als auch den Publikumspreis in Dresden gewann – setzt die Autorin mit Bookpink – Neuankömmlinge auf eine Mischung aus schwarzem Humor und eindringlichen Bildern, um das Schicksal von Tieren in menschenähnlichen Systemen zu erkunden.
Im Mittelpunkt des Stücks stehen drei tierische Figuren: Nikki, ein Kanarienvogel in seinem Käfig gefangen, Frau Pétain, ein psychisch gebrochener Kolibri, und Success, ein Hund, der unter den Launen seiner Herrin leidet. Ihre Geschichten entfalten sich vor dem Hintergrund von systemischem Druck und struktureller Gewalt – Themen, die Jess mit beißender Satire seziert. Die Dialoge treffen ins Mark, vermengen sozialdarwinistische Klischees, rassistische Mythen und Kapitalismuskritik, alles serviert mit scharfem Witz.
Im zweiten Akt übernimmt Daria von Loewenich die Rolle der Frau Pétain, einer einst einflussreichen Kolibri-Persönlichkeit, die nach einem gescheiterten Sterilisationseingriff hirngeschädigt zurückbleibt. Die letzte Szene des Stücks hinterlässt das Publikum in betroffenem Schweigen: Ein Zilpzalp befreit Nikki aus ihrem Käfig, während ein alter Mann einsam auf einer abgelegenen Insel stirbt.
Die kühne Ästhetik der Inszenierung verdankt das Stück den Kostümen und dem Bühnenbild von Kathrin Frosch, die dem düsteren Stoff mit popartiger Energie Leben einhauchen. Neben von Loewenich wirken Natali Seelig und Bernd Moss mit, die der beunruhigenden Welt des Stücks zusätzliche Tiefe verleihen.
Bookpink – Neuankömmlinge ist ein weiterer mutiger Schritt für Jess, die provokante Themen mit eindrucksvoller Bühnensprache verbindet. Die Mischung aus Humor, Tragik und expressivem Design hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Die Premiere am Deutschen Theater unterstreicht ihren Ruf als Schöpferin herausfordernder, preisgekrönter Werke.






