Berlins Cannabis-Anbauvereine kämpfen mit Bürokratie und Schwarzmarktkonkurrenz
Nico SchulzBerlins Cannabis-Anbauvereine kämpfen mit Bürokratie und Schwarzmarktkonkurrenz
Seit Cannabis in Deutschland am 1. April 2024 legalisiert wurde, sehen sich Berlins Anbauvereine mit einer Mischung aus Chancen und strengen Vorschriften konfrontiert. Elf lizenzierte Vereine sind derzeit in der Stadt aktiv, sieben weitere warten auf ihre Genehmigung. Doch trotz der gesetzlichen Neuerung berichten Mitglieder und Organisatoren weiterhin von Schwierigkeiten mit der Bürokratie und der Konkurrenz durch den Schwarzmarkt.
Das neue Gesetz erlaubt Erwachsenen, Cannabis über registrierte Vereine anzubauen und zu konsumieren – doch der Prozess unterliegt strengen Kontrollen. Die Vereine müssen jahrelang detaillierte persönliche Daten ihrer Mitglieder speichern, während Werbung komplett verboten ist: Selbst grundlegende Informationen dürfen nur an bestehende Mitglieder weitergegeben werden. Mario Gäde, Vorsitzender des White Lake Weed-Vereins, kritisiert die Regeln als übermäßig starr und bürokratisch. "Die Vorschriften machen den Alltag unnötig kompliziert", sagt er.
Jana Halbreiter, die den Green Leaf Society-Verein leitet, teilt diese Bedenken. Ihr Verein zählt 200 aktive Mitglieder, baut bis zu zehn verschiedene Sorten an und verteilt monatlich etwa zwei bis drei Kilogramm Cannabis. Dennoch wirft sie Politikern vor, Anbauvereine eher als Problem denn als Teil der Lösung zu betrachten. Trotz der Hürden bleiben sowohl sie als auch Gäde entschlossen, Cannabis legal anzubauen.
Unterdessen florieren Schwarzmarkt und Online-Bestellungen von medizinischem Cannabis weiter. Allein im ersten Halbjahr 2025 stiegen die Importe von medizinischem Cannabis um über 400 Prozent auf 80 Metriertonnen – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die legalen Vereine stehen damit in harter Konkurrenz zu unregulierten Anbietern, was ihre Situation zusätzlich erschwert.
Berlins Cannabis-Anbauvereine bewegen sich in einem komplexen Umfeld. Strenge Dokumentationspflichten, Werbeverbote und der Druck durch illegale Verkäufe machen ihre Zukunft ungewiss. Dennoch geben Organisatoren wie Gäde und Halbreiter nicht auf: Sie wollen ihre Vereine weiter im Rahmen des Gesetzes führen.






