Apothekerin zahlt 25.000 Euro doppelt – und Merck streitet die Schuld ab
Tim RichterApothekerin zahlt 25.000 Euro doppelt – und Merck streitet die Schuld ab
Eine Apothekeninhaberin in Deutschland sieht sich mit einer Forderung über 25.000 Euro des Pharmakonzerns Merck konfrontiert – obwohl sie die gleiche Rechnung bereits einmal beglichen hat. Carolin Schleußinger, die die Marien-Apotheke in Roding leitet, behauptet, das Rechnungssystem des Unternehmens sei von Cyberkriminellen kompromittiert worden, sodass sie nun in einen Streit über gefälschte Rechnungen verwickelt ist.
Die Probleme begannen im vergangenen Jahr, als Apotheken in ganz Deutschland berichteten, verdächtige E-Mails erhalten zu haben, die sich als Merck-Rechnungen tarnten. Auch Schleußinger erhielt eine solche Rechnung – versehen mit manipulierten Bankdaten, darunter ein neues Konto mit Sitz in Spanien. Sie überprüfte die Angaben, erkannte jedoch nicht, dass es sich um Betrug handelte.
Merck bestätigte später, dass seine IT-Systeme Ziel von Cyberangriffen geworden waren, die sich gezielt gegen Rechnungsempfänger wie Apotheken richteten. Das Unternehmen räumte ein, dass das Problem weit verbreitet sei, gab jedoch nicht bekannt, wie viele Betriebe betroffen sind. Als Schleußinger die zweite Zahlungsaufforderung hinterfragte, riet ihr Merck, Anzeige bei der Polizei zu erstatten – sie sei Opfer von Cyberkriminalität geworden.
Schleußinger hat inzwischen Strafanzeige erstattet und kündigte rechtliche Schritte an. Sie argumentiert, dass die Systeme von Merck selbst gehackt wurden – nicht ihre Apotheke – und wirft dem Konzern vor, keine vollständige Verantwortung zu übernehmen. Als Reaktion fügte Merck einen Warnhinweis in seinen Onlineshop ein und rief Kunden dazu auf, die Bankverbindungen auf Rechnungen genau zu prüfen. Schleußinger wirft dem Unternehmen jedoch vor, das Problem herunterzuspielen und "unter den Teppich kehren" zu wollen, statt die Ursache zu bekämpfen.
Der Streit lässt Schleußinger nun mit der Aussicht zurück, dieselbe Rechnung zweimal zahlen zu müssen. Merck besteht darauf, dass Apotheken die Rechnungsdetails selbst überprüfen müssten, während Schleußinger fordert, dass das Unternehmen die Opfer des Cyberangriffs entschädigen solle. Da es keine offizielle Zahl der betroffenen Betriebe gibt, bleibt das volle Ausmaß des Problems unklar.






