Dietzenbach ehrt jüdischen Gemeindevorsteher mit neuem Straßenname
Eine neue Straße in Dietzenbach ehrt das Andenken an Hermann Wolf, den letzten jüdischen Gemeindevorsteher der Stadt vor dem Zweiten Weltkrieg. Am 1. August 2023 wurde der Hermann-Wolf-Weg offiziell in einer Feierstunde eingeweiht, an der rund 20 seiner Nachkommen teilnahmen, die extra aus den USA angereist waren.
Hermann Wolf hatte einst mit seiner Frau und sieben Kindern in der Bahnhofstraße 71 gelebt. Vor der Straßenbenennung besuchten Familienmitglieder das Haus, in dem ihre Vorfahren gewohnt hatten, bevor das NS-Regime sie zur Flucht zwang. Wolf, ein hochdekorierter Veteran, der für seinen Einsatz im Ersten Weltkrieg das Eiserne Kreuz Erster Klasse erhalten hatte, wurde später mit seiner Familie aus Dietzenbach vertrieben.
Bei der Zeremonie hielten lokale Vertreter Reden, darunter Bürgermeister Dr. Dieter Lang. Er betonte die Bedeutung, das jüdische Leben in Dietzenbach nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und sein Erbe zu bewahren. Wolf starb 1941 im Exil in Havanna, Kuba, im Alter von 69 Jahren.
Obwohl es in Dietzenbach keine dokumentierten Stolpersteine für NS-Opfer gibt, setzen sich regionale Initiativen – wie etwa die des Historischen Museums Dietzenbach – für die Bewahrung der jüdischen Geschichte im Kreis Offenbach ein. Die Widmung des Hermann-Wolf-Wegs stellt eine dauerhafte Hommage an eine Familie dar, die durch Verfolgung ihre Heimat verlor. Der Straßenname wird künftig an Wolfs Verdienste und die einstige jüdische Gemeinschaft in Dietzenbach erinnern, bevor sie ausgelöscht wurde. Nachkommen, lokale Verantwortliche und Anwohner haben nun einen sichtbaren Ort, um dieser Geschichte zu gedenken.






