Warum rechtsextreme Bewegungen trotz Scheitern an Einfluss gewinnen
Eine neue Analyse des Soziologen Aladin El-Mafaalani wirft Licht darauf, warum rechtsextreme Bewegungen trotz ihrer Misserfolge weiterhin gedeihen. Seine Forschung erklärt, warum die Bloßstellung der Inkompetenz von Gruppen wie der Alternative für Deutschland (AfD) deren Unterstützung kaum schwächt. Stattdessen verweist er auf tiefgreifende gesellschaftliche Verschiebungen, die heute politische Loyalität prägen.
In seinem Buch "Gemeinschaften des Misstrauens" untersucht El-Mafaalani, wie Menschen das Vertrauen in staatliche Institutionen verlieren. Wenn das Vertrauen in die Regierung schwindet, so seine These, verbinden sich misstrauische Individuen mit Gleichgesinnten, die ihre Skepsis teilen. Diese Gruppen bilden eng vernetzte Netzwerke, die die Feindseligkeit gegenüber der liberalen Demokratie verstärken.
Digitale Medien haben bei diesem Wandel eine zentrale Rolle gespielt. Zum ersten Mal können misstrauische Gemeinschaften sich online vernetzen, organisieren und ihre Ansichten verbreiten. Dies hat Bewegungen wie der AfD seit ihrer Gründung 2013 zu rasantem Wachstum verholfen. Ursprünglich als euroskeptische Partei gestartet, wandte sie sich später anti-migratorischen und nationalistischen Positionen zu und profitierte dabei von der Unzufriedenheit der Wähler mit den etablierten Parteien.
Der Aufstieg der AfD spiegelt breitere Trends wider, darunter die Popularität von Figuren wie Donald Trump. Selbst wenn populistische Führer ihre Versprechen nicht einlösen, bleiben ihre Anhänger oft loyal. El-Mafaalani führt diese Treue auf geteiltes Misstrauen zurück – nicht auf politische Erfolge. Seine Erkenntnisse widerlegen die Annahme, dass die bloße Entlarvung rechtsextremer Behauptungen das Vertrauen in die Demokratie wiederherstellen wird.
El-Mafaalani zeigt damit eine anhaltende Herausforderung für demokratische Systeme auf. Während sich das Misstrauen ausbreitet, tun sich traditionelle politische Strategien schwer, entfremdete Wähler zurückzugewinnen. Seine Analyse unterstreicht die Notwendigkeit neuer Ansätze, die die Ursachen der Enttäuschung bekämpfen – und nicht nur deren Symptome.






