17 April 2026, 06:11

Schilf-Glasflügelzikade bedroht Ernten und spaltet die Agrarpolitik

Ein altes Buch mit einer Zeichnung einer Heuschrecke auf dem Cover, das Text auf der Seite unter der Illustration enthält.

Schilf-Glasflügelzikade bedroht Ernten und spaltet die Agrarpolitik

Winziges Insekt bereitet deutschen Landwirten große Sorgen

Die Schilf-Glasflügelzikade, eine kleine Zikadenart, verursacht in der deutschen Landwirtschaft zunehmend Probleme. Die Tiere verbreiten Krankheiten, die Zuckerrüben und Kartoffeln schädigen. Durch ihre wachsende Resistenz und Anpassungsfähigkeit sind Landwirte gezwungen, vermehrt auf Pestizide zurückzugreifen – doch einige dieser Mittel geraten zunehmend in die politische Kritik.

Die Schädlinge gedeihen besonders in modernen Anbausystemen mit großen Monokulturen und engen Fruchtfolgen. Ihre Larven überwintern im Boden, ernähren sich von Wurzeln, während die ausgewachsenen Tiere in die Felder einwandern und dabei Pflanzenschaderreger übertragen. Ohne chemischen Schutz drohen befallenen Kulturen massive Ernteausfälle, die die Existenzgrundlage der Bauern gefährden.

Neonikotinoide, ein häufig eingesetztes Insektizid gegen die Zikaden, schaden jedoch auch Bestäubern, indem sie Pollen und Nektar verunreinigen. Zwar hat die EU viele dieser Wirkstoffe eingeschränkt, doch Notfallzulassungen ermöglichen weiterhin ihren Einsatz. Der Deutsche Bauernverband diskutiert nun, wie mit dem zunehmenden "Wirkstoffverlust" bei Pestizid-Zulassungen umgegangen werden soll – ein Thema, das an politischer Brisanz gewinnt.

Alternativen aus der agroökologischen Landwirtschaft, wie längere Fruchtfolgen oder Mischkulturen, könnten den Schädlingsdruck verringern. Doch diese Methoden stehen im Widerspruch zu den Anforderungen der industriellen Landwirtschaft, die auf standardisierte Produktion und globale Lieferketten setzt. Gleichzeitig warnt Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbands, dass ohne chemische Behandlungen der Anbau wichtiger Grundnahrungsmittel in Deutschland langfristig unmöglich werden könnte.

Die Debatte hat auch die Landespolitik erreicht. Wenke Dargel, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Linken, macht das Thema im Wahlkampf für die anstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt stark, wo Agrarpolitik eine zentrale Rolle spielt.

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Derzeit sind Landwirte auf Pestizide angewiesen, um ihre Erträge zu sichern – doch gerade diese Chemikalien erhalten ein System, das Schädlingsbefall begünstigt. Angesichts strengerer Regulierung von Neonikotinoiden muss die Branche nun einen Ausgleich zwischen kurzfristigem Pflanzenschutz und langfristiger Nachhaltigkeit finden. Die Entscheidung wird die Zukunft von Lebensmittelproduktion und Umweltpolitik in den kommenden Jahren prägen.

Quelle