29 April 2026, 04:28

Marathon-Theater boomt: Sieben Stunden auf der Bühne – und das Publikum jubelt

Offenes Buch mit dem Titel "The Theatre: A Monthly Review of the Drama, Music, and the Fine Arts" mit sichtbarem Text und einem Logo auf der Seite.

Marathon-Theater boomt: Sieben Stunden auf der Bühne – und das Publikum jubelt

Deutsches Theater feiert seit langem Marathon-Aufführungen, die Stücke auf extreme Längen dehnen. Manche Produktionen dauern mittlerweile sieben Stunden oder länger und fordern sowohl Schauspieler als auch Zuschauer an die Grenzen ihrer Ausdauer heraus. Beim diesjährigen Berliner Theatertreffen (1. bis 17. Mai) war sogar ein siebenstündiges Epos dabei, das innerhalb kürzester Zeit ausverkauft war.

Der Trend zu ultra-langen Theaterstücken reicht Jahrzehnte zurück. Robert Wilsons Einstein on the Beach, das 1976 uraufgeführt wurde, dauerte bereits vier bis fünf Stunden. In den 1970er- und 1980er-Jahren trieb das Aufkommen des Regietheaters die Grenzen weiter voran und förderte noch längere Spielzeiten. Luk Percevals Schlachten beim Salzburger Festspiele-Auftakt 1999 erreichte schließlich die Rekordlänge von zwölf Stunden.

Auch in jüngerer Zeit gab es vergleichbare Rekorde. 2023 brachte das Schauspielhaus BochumDie Brüder Karamasow in einer siebenstündigen Fassung auf die Bühne. Die Berliner Volksbühne zeigt nun eine Neuinszenierung von Peer Gynt, dessen erster Teil allein acht Stunden umfasst. Die Münchner Kammerspiele präsentierten beim diesjährigen Theatertreffen Wallenstein: Ein Festspiel des Krieges in sieben Gängen – ein weiteres siebenstündiges Spektakel.

Die Pandemie unterbrach den Trend vorübergehend. Während und kurz nach den Lockdowns setzten die Theater vor allem auf kürzere, pausenlose Aufführungen. Doch die Lust an ausdauernden Inszenierungen ist ungebrochen. Nora Hertlein-Hull, Leiterin des Berliner Theatertreffens, erlebte 2007 beim Wiener Festwochen erstmals ein ultra-langes Stück. Zwar gibt es keine offiziellen Statistiken des Deutschen Bühnenvereins, doch die Tradition des Marathon-Theaters zeigt keine Anzeichen von Erschöpfung.

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Die Tickets für Wallenstein beim Theatertreffen waren rasant vergriffen – ein Beweis dafür, dass das Publikum weiterhin nach epischen Langzeitproduktionen verlangt. Mit der Neuauflage von Peer Gynt an der Volksbühne und weiteren ehrgeizigen Projekten anderer Häuser lebt die Tradition des Marathon-Theaters fort. Diese Inszenierungen verlangen den Zuschauern und Darstellern viel ab, bleiben aber ein prägendes Merkmal der deutschen Theaterkultur.

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