Glasfaserausbau: Warum offener Netzzugang in Deutschland jetzt Fahrt aufnimmt
Tim RichterGlasfaserausbau: Warum offener Netzzugang in Deutschland jetzt Fahrt aufnimmt
Deutschlands Vorstoß für offenen Netzzugang bei Glasfaser gewinnt an Fahrt
Immer mehr Betreiber schließen Abkommen zur gemeinsamen Nutzung von Infrastruktur – die Bewegung für offenen Netzzugang in deutschen Glasfasernetzen nimmt an Dynamik zu. Fast 300 Unternehmen treiben derzeit den Glasfaserausbau im Land voran, wobei einige bereits auf Open-Access-Modelle setzen. Die Wende soll Verbrauchern mehr Auswahl bieten, doch die Debatten über Regulierung und Investitionsrisiken halten an.
Mehrere große Akteure haben kürzlich Open-Access-Vereinbarungen unterzeichnet. Deutsche GigaNetz kooperiert mit Bahnhof und Westconnect, um Drittanbietern die Nutzung ihrer Netze zu ermöglichen. Plusnet wird seine Dienste zudem über die Netze von OXG unter ähnlichen Bedingungen vermarkten. Unterdessen plant die Stadtwerke Neustadt am Rübenberge, ihr Glasfasernetz ab 2030/2031 für Wettbewerber zu öffnen.
Branchenvertreter bewerten die Regulierung unterschiedlich Jürgen Rohr von Plusnet argumentiert, dass Marktmechanismen den Wettbewerb schneller vorantreiben als neue Vorschriften. Steven Blount von EWE Tel räumt ein, dass Open Access höhere Vorabinvestitionen erfordert, sieht darin aber eine Notwendigkeit, um die Netzauslastung zu maximieren. Marc Kahabka von VSE Net warnt hingegen vor technischen Hürden, sollten bestehende Netze nachträglich an neue Standards angepasst werden müssen.
Die Bundesnetzagentur (BNetzA) plant derzeit keine Zwangsöffnung in Gebieten mit nur einem Anbieter. Daniela Brönstrup von der BNetzA befürwortet zwar strengere Kontrollen, falls Open Access scheitert, konkrete gesetzliche Maßnahmen stehen jedoch nicht zur Debatte. Dieser Verzicht auf Verpflichtungen könnte Investitionen fördern, indem er das Risiko erzwungener Netzzugänge verringert. Branchenverbände wie der VATM kritisieren jedoch, dass die Überwachungsberichte Wettbewerbsprobleme nicht ausreichend angehen.
Kundennachfrage nach Anbieterwahl steigt Frank Rosenberger von 1&1 Versatel berichtet, dass 83 Prozent der Kunden die Möglichkeit zum Anbieterwechsel wünschen. Zudem soll die Einführung von S/PRI, einer standardisierten Schnittstelle, die Interoperabilität zwischen verschiedenen Glasfasernetzen erleichtern.
Fazit: Offener Netzzugang im Aufwind – zwischen Markt und Regulierung In Deutschlands Glasfasermarkt setzt sich Open Access zunehmend durch, getrieben von Betreiberkooperationen und wachsender Kundennachfrage nach Flexibilität. Während einige strengere Regeln fordern, setzen andere auf Wettbewerbsdruck als Treiber für Fortschritt. Der Verzicht auf Zugangsverpflichtungen könnte zwar Investitionen begünstigen, doch bleiben Bedenken hinsichtlich fairen Wettbewerbs und Netzeffizienz bestehen.






