Deutsche Bahn kämpft mit Pannen, Führungswechseln und neuem Wettbewerb durch Italo
Amelie BrandtDeutsche Bahn kämpft mit Pannen, Führungswechseln und neuem Wettbewerb durch Italo
Die Deutsche Bahn steht vor einer turbulenten Phase, geprägt von betrieblichen Pannen, Führungswechseln und drohendem Wettbewerb. Unternehmenschefin Evelyn Palla wird in den kommenden Tagen auf die massive Kritik wegen der jüngsten Verspätungen und Rückschläge reagieren.
Am Dienstagabend kam der deutsche Schienenverkehr für fast zwei Stunden komplett zum Erliegen. Ein Ausfall des GSM-R-Funknetzes für die Eisenbahn ließ tausende Reisende stranden. Spätere Untersuchungen ergaben, dass ein Fehler bei Wartungsarbeiten an einer zentralen Komponente die Störung ausgelöst hatte. Ein derartiger Totalausfall ist selten und tritt unabhängig von Wetterbedingungen auf.
Auch das Bahnprojekt Stuttgart 21 erleidet einen weiteren Rückschlag: Die Fertigstellung verzögert sich nun bis Ende 2031 – fünf Jahre später als geplant. Als Gründe nennen Verantwortliche komplexe Digitalisierungsprozesse und unausgereifte Planungsabläufe.
Führungswechsel verschärfen den Druck zusätzlich. Der Volkswagen-Manager Michael Obrowski wird Karin Dohm nach nur viermonatiger Amtszeit als Finanzvorstand ablösen. Gleichzeitig berät der Aufsichtsrat über eine umfassende Umstrukturierung. Geplant ist unter anderem die Streichung von rund 30 Prozent der Führungspositionen im Konzern, um die Abläufe zu verschlanken.
Äußere Bedrohungen nehmen ebenfalls zu. Der italienische Anbieter Italo plant 2028 den Einstieg in den deutschen Fernverkehrsmarkt. Mit 30 Hochgeschwindigkeitszügen will das Unternehmen lukrative Strecken bedienen und könnte damit die Fähigkeit der Deutschen Bahn schwächen, weniger rentable Verbindungen zu finanzieren. Lokale Verkehrsbehörden haben bereits Bedenken geäußert, ob nach Italos Markteintritt ausreichend Trassenkapazitäten verfügbar sein werden.
Der Bahnkonzern steht nun vor einer entscheidenden Phase der Neuausrichtung und des externen Wettbewerbs. Betriebliche Pannen und Projektverzögerungen haben die Kritik an Führung und Planung verschärft. Der Eintritt von Italo 2028 könnte die deutsche Bahnlandschaft zusätzlich verändern.
