Bundestag beschließt umstrittenes Beschleunigungsgesetz für Großprojekte im Infrastruktursektor
Amelie BrandtBundestag beschließt umstrittenes Beschleunigungsgesetz für Großprojekte im Infrastruktursektor
Der Bundestag hat ein neues Beschleunigungsgesetz verabschiedet, um Großprojekte im Infrastruktursektor zu beschleunigen. Das Gesetz zielt auf Autobahnen, Schienen- und Wasserwege ab und soll die oft jahrelangen Verzögerungen bei der Umsetzung solcher Vorhaben verkürzen. Verkehrsminister Patrick Schnieder betont, dass damit verhindert werde, dass dringend benötigte Projekte über Jahre oder gar Jahrzehnte blockiert bleiben.
Das Gesetz sieht mehrere zentrale Neuerungen vor, um Genehmigungsverfahren zu beschleunigen. Bestimmte Vorhaben werden als von „höchstem öffentlichen Interesse und öffentlicher Sicherheit“ eingestuft, was ihnen in rechtlichen und verwaltungstechnischen Entscheidungen mehr Gewicht verleiht. Zudem werden Verfahrens-, Planungs- und Umweltvorschriften angepasst, um Abläufe zu straffen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Digitalisierung der Genehmigungsprozesse.
Anwendbar ist das Gesetz auf Projekte, die über den schuldenfinanzierten Sonderfonds für Infrastruktur in Höhe von 500 Milliarden Euro gefördert werden. Minister Schnieder argumentiert, dass diese Maßnahmen unnötige Verzögerungen bei wichtigen öffentlichen Bauvorhaben verhindern werden.
Die Opposition übt scharfe Kritik an dem Vorhaben. Die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen, Swantje Henrike Michaelsen, wirft der Regierung vor, unter dem Deckmantel der Beschleunigung den Umwelt- und den Beteiligungsrechten der Öffentlichkeit abzubauen. Der linke Abgeordnete Jorrit Bosch sieht das eigentliche Problem in der personellen Unterbesetzung der Behörden und betont, dass schnellere Planungen mehr Personal erforderten. Der AfD-Abgeordnete Ulrich von Zons warnt vor möglichen Enteignungen und behauptet, das Gesetz schaffe keine faire Interessenabwägung mehr.
Das Gesetz bedarf nun noch der endgültigen Zustimmung des Bundesrats. Bei einer Verabschiedung wird es die Prüfung und Genehmigung großer Infrastrukturprojekte grundlegend verändern. Die Änderungen werden langfristig judikative, administrative und digitale Verfahren prägen.
