Apotheken kämpfen mit Verlusten trotz boomender pDL-Nachfrage und fordern Reformen
Amelie BrandtApotheken kämpfen mit Verlusten trotz boomender pDL-Nachfrage und fordern Reformen
Deutsche Apotheken kämpfen mit der Wirtschaftlichkeit individueller Dosierdienstleistungen (pDL) – trotz steigender Nachfrage
Eine aktuelle Studie zeigt, dass mehr als die Hälfte aller Apotheken mit Hypertensions-Risikobewertungen Verluste macht, obwohl die Abrechnung dieser Leistungen seit 2015 kontinuierlich gestiegen ist. Branchenverbände fordern nun dringend eine Reform der Finanzierungsmodelle, um das Programm langfristig zu sichern.
Seit der Einführung des Vergütungssystems im Jahr 2015 hat sich die Zahl der pDL-Leistungen in deutschen Apotheken stark erhöht. Damals wurden rund 1,5 Millionen Bewertungen durchgeführt – bis 2023 stieg diese Zahl auf etwa 25 Millionen, mit einem jährlichen Wachstum von durchschnittlich 30 bis 40 Prozent. Dennoch bleibt ein beträchtlicher Teil der insgesamt 537 Millionen Euro, die für pDL vorgesehen sind, ungenutzt.
Viele Apotheken geben an, dass die aktuelle Vergütung die Kosten nicht deckt. So werden für eine Hypertensions-Risikobewertung netto 11,20 Euro erstattet – doch nur etwa jede dritte Apotheke erwirtschaftet damit Gewinne. Die Freie Apothekerschaft (FA) bestätigt zwar, dass Apotheken über das nötige Fachwissen verfügen, doch die niedrigen Erstattungssätze erschweren es, kostendeckend zu arbeiten.
Neben den finanziellen Hürden sehen sich Apotheken mit praktischen Herausforderungen konfrontiert: Personalmangel, hoher Verwaltungsaufwand und begrenztes Platzangebot erschweren die Dienstleistungserbringung. Zudem belasten Spannungen zwischen den Gesundheitsberufen die Situation zusätzlich. Der Deutsche Apothekerverband (DAV) fordert nun höhere pDL-Vergütungen, um die Zukunft des Programms zu sichern. Gleichzeitig warnt die Studie, dass eine Umwidmung ungenutzter pDL-Mittel in den allgemeinen Apothekenhaushalt die Grundlagen des Programms untergraben könnte.
Ohne politische Anpassungen bleibt die Zukunft der pDL-Leistungen ungewiss. Experten betonen, dass eine fairere Vergütung entscheidend ist, um die flächendeckende Verfügbarkeit zu gewährleisten. Das aktuelle System zwingt viele Apotheken dazu, diese Dienstleistungen entweder einzustellen oder mit Verlusten zu betreiben.