17 March 2026, 00:36

400 Jahre jüdisches Erbe: Neue Ausstellung in der Rhön erinnert an vergessene Geschichten

Plakat f├╝r eine j├╝dische Ausstellung in Paris, das eine Person vor einem Tisch mit einem Buch und einer Menora zeigt, zusammen mit Ausstellungseinzelheiten.

400 Jahre jüdisches Erbe: Neue Ausstellung in der Rhön erinnert an vergessene Geschichten

Neue Ausstellung beleuchtet 400 Jahre jüdisches Leben in der Rhön

In Hilders hat eine Ausstellung eröffnet, die 400 Jahre jüdisches Leben in der Rhön nachzeichnet. Die unter dem Titel "400 Jahre jüdisches Leben in der Rhön" präsentierte Schau wurde in der Mittelpunktschule sowie im Hessischen Verwaltungsamt des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön eröffnet. Initiiert wurde das Projekt vom Historiker Dr. Michael Imhof, der auch lokale Schülerinnen und Schüler in die Vorbereitungen einband, um jüngere Generationen für diese oft vernachlässigte Geschichte zu sensibilisieren.

Jahrhundertelang prägten jüdische Gemeinden das wirtschaftliche, soziale und politische Leben in der Rhön maßgeblich. Mindestens zehn Synagogen oder organisierte jüdische Niederlassungen gab es einst in der Region, darunter Wüstensachsen – seit 1653 die größte im hessischen Teil der Rhön – sowie Barchfeld, wo 1844/45 eine Synagoge errichtet wurde. Weitere bedeutende Standorte waren Oberelsbach mit einer 1898/99 neu gebauten Synagoge sowie kleinere Gemeinden in Weisbach, Gersfeld, Schmalnau, Hettenhausen, Lütter, Weyhers und Niederwerrn, wo seit der Mitte des 18. Jahrhunderts eine Synagoge stand.

Zur Eröffnung der Ausstellung hielt Dr. Imhof einen Vortrag, in dem er die über die Jahrhunderte erlittenen Einschränkungen und Verfolgungen der jüdischen Bevölkerung skizzierte. Sebastian Müller, Mitglied des Hessischen Landtags, nahm an der Veranstaltung teil und betonte die Bedeutung der Bewahrung dieses historischen Erbes – insbesondere der Erinnerung an die NS-Verbrechen.

Ein zweiter Vortrag unter dem Titel "Gegen das Vergessen: Jüdisches Leben in der Rhön" findet am 26. Februar in der Mittelpunktschule Hilders statt. Dr. Imhof wird darin die gemeinsame Geschichte von Juden und Christen in der Region beleuchten, begleitet von einem musikalischen Beitrag von Jana Hengstler von der Jüdischen Gemeinde Fulda. Die Ausstellung selbst bleibt bis Ende März 2026 geöffnet.

Das Projekt rückt die tief verwurzelte Präsenz jüdischer Gemeinden in der Rhön ins Licht – von ihren wirtschaftlichen Leistungen bis zu den erlittenen Leidenswegen. Durch die Einbindung von Schülerinnen und Schülern sowie öffentliche Vorträge soll sichergestellt werden, dass diese Geschichte nicht in Vergessenheit gerät. Ausstellung und Begleitveranstaltungen laufen noch bis März 2026 und bieten Raum für Bildung und Reflexion.

AKTUALISIERUNG

Ausstellung erweitert sich auf Schulen in Fulda und Hünfeld und bietet interaktive Workshops

Die Ausstellung hat sich auf weitere Schulen in der Region erweitert und engagiert Schülerinnen und Schüler durch Bildungsworkshops. An der Ferdinand-Braun-Schule in Fulda dokumentieren über 60 Panels die jüdische Geschichte, die mit dem Buch von Dr. Imhof und einem Film verbunden sind. In Hünfeld fand an der Jahnschule ein Workshop mit Schülerinnen und Schülern der 10. Klasse statt, bei dem Themen wie Bildung und Schicksale in der NS-Zeit untersucht wurden, wobei das Feedback lokale Einblicke hervorhob.